Unterschied Küretten und Scaler: 3 Methoden der Instrumentenbestimmung

Unterschied Kürette Scaler: drei dentale Handinstrumente mit spitzen und gerundeten Arbeitsenden im Vergleich

Die 3 Methoden zur Instrumentenbestimmung

Scharfe Parodontalinstrumente bilden die Grundlage in der professionellen Zahnreinigung. Doch ob Scaler oder Kürette – jede Schneidkante nutzt sich beim Einsatz ab. Deshalb gehört das regelmäßige Küretten schärfen und Scaler schärfen zum Praxisalltag.

Ich schärfe seit vielen Jahren dentale Handinstrumente für Zahnarztpraxen in ganz Deutschland – die Instrumentenbestimmung gehört zu meiner täglichen Arbeit. Ich möchte Ihnen mit diesem Artikel einige einfache Bestimmungsmethoden an die Hand geben.

Bevor ein Dentalinstrument nachgeschärft werden kann, muss zunächst geklärt werden, ob es sich um einen Scaler oder eine Kürette handelt. Und im Falle einer Kürette muss zusätzlich unterschieden werden, ob es sich um eine Universalkürette oder Gracey-Kürette handelt? Denn der Unterschied zwischen Scaler und Kürette entscheidet darüber, wie das Instrument nachgeschärft wird. Eine falsch bestimmte Universalkürette, die wie ein Scaler geschärft wird, verliert ihre eigentliche Funktion.

Ein Blick in die Herstellerkataloge zeigt, wie groß die Instrumentenvielfalt von Scalern und Küretten ist. Die gute Nachricht: Mit drei einfachen Methoden lässt sich jedes Handinstrument zuverlässig bestimmen – durch optische Beurteilung der Geometrie, die Prüfung des Fazialwinkels und den Herstellerangaben auf dem Instrument.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen drei einfache Methoden, mit denen Sie Scaler und Küretten in wenigen Minuten zuordnen können – vom Blick auf die Geometrie bis zur Recherche im Herstellerkatalog.

Springen Sie direkt zur jeweiligen Bestimmungsmethode: 

Was ist der Unterschied zwischen Kürette und Scaler

Der wichtigste Unterschied zwischen einem Scaler und einer Kürette liegt in der Form der Instrumentenspitze und der jeweiligen Schneidgeometrie. Beide Instrumentenarten verfügen über scharfe Arbeitskanten, unterscheiden sich aber in ihrem Aufbau und in der Art, wie die Schneiden beim Nachschärfen bearbeitet werden. 

Ein Scaler besitzt typischerweise eine spitz zulaufende Instrumentenspitze. Bei einer Kürette ist das Ende dagegen abgerundet. Innerhalb dieser beiden Instrumentengruppen gibt es weitere Unterschiede, insbesondere zwischen Gracey- und Universalküretten. 

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Merkmale auf einen Blick:

MerkmaleScalerUniversalküretteGracey-Kürette
Instrumentenspitzespitz zulaufendhalbkreisförmighalbkreisförmig
Schneidkantezweizweieine
Neigung der Fazialfläche90°
zum terminalen Schaft
90°
zum terminalen Schaft
ca. 70°
zum terminalen Schaft
Schneidengeoemtriesymmetrisch,
spitz zulaufend
symmetrisch,
parallel
einseitig,
konvex
zu schärfende Schneidkantebeide Seitenbeide Seiten und halbkreisförmige Spitzeäußere, konvexe Seite und halbkreisförmige Spitze

Obige Tabelle dient als erste Orientierung. 

Wie Sie diese Merkmale am vorliegenden Instrument prüfen können, zeigen die folgenden drei Methoden. 

Die 3 Methoden zur Instrumentenbestimmung

Methode 1: Unterscheidung zwischen Scaler und Kürette

Die optische Bestimmung der Instrumentenart kann ohne Hilfsmittel durchgeführt werden, dennoch empfehle ich die Beurteilung mit einer optischen Vergrößerung, wie einer Tischlupe oder Lupenbrille durchzuführen, da die Unterschiede der Instrumente hiermit oft deutlicher und leichter zu erkennen sind.

Beurteilung der Instrumentenspitze

Zunächst ist zu bestimmen, ob es sich um einen Scaler oder eine Kürette handelt, dabei betrachtet man die Instrumentenspitze. 

Blickt man senkrecht auf die Fazialfläche des Instruments, ist der seitliche Verlauf der Fazialkanten zur Spitze ausschlaggebend:

Hinweis: Es kann hierbei zu einer Fehlbeurteilung kommen, wenn z. B. eine Universalkürette fälschlicherweise zuvor zu einem Scaler geschliffen wurde. Deshalb sollten bei jeglicher Unsicherheit die Herstellerangaben auf dem Instrument überprüft werden – siehe hierzu Methode 3.

Blickrichtung auf die Fazialfläche zur Unterscheidung der Instrumentenspitze von Gracey-Kürette, Universalkürette und Scaler

Blickrichtung: senkrecht auf die Fazialfläche des Dentalinstruments

Unterschung von: Gracey-Kürette (links) und Universalkürette (rechts) mit abgerundeten Instrumentenenden im Vergleich

Abgerundete Instrumentenspitze:

Gracey-Kürette (li.)

Universalkürette (re.)

Scaler mit spitz zulaufendem Arbeitsende im Gegensatz zur abgerundeten Kürettespitze

Spitze Instrumentenspitze:

Scaler

Methode 2: Unterschied zwischen Gracey- und Universalkürette

Liegt eine Kürette vor, gilt es im nächsten Schritt zu klären, ob es sich um eine Gracey- oder eine Universalkürette handelt. Sie unterscheiden sich im Fazialwinkel und in der Schneidengeometrie und werden folglich unterschiedlich nachgeschärft. Es gibt zwei Möglichkeiten der Unterscheidung: die rein optische Betrachtung oder durch Zuhilfenahme eines Magnetstäbchens.

Optische Betrachtung der Fazialflächenneigung

Der terminale Schaft der Kürette wird senkrecht gehalten und die Neigung der Fazialfläche betrachtet. Auch die Geometrie der Schneidkante ist bei der Unterscheidung zwischen Gracey- und Universalkürette hilfreich.

Merkmale der Gracey-Kürette

Neigung der Fazialfläche:

Neigt sich die Fazialfläche um ca. 70° zum terminalen Schaft, so handelt es sich um eine Gracey-Kürette. In diesem Fall ist nur die äußere, konvexe Schneidkante und halbkreisförmige Instrumentenspitze zu schleifen. [Quelle 1, 3]

Schneidkantenform

Auch die Beurteilung der Krümmung der Schneidkante hilft bei der Bestimmung. Bei Gracey-Küretten weisen die Fazialkanten eine Krümmung auf. Es gibt eine konvexe (nach außen gewölbte) und eine konkave (eingewölbte) Seite. Die zu schärfende Seite ist die konvexe Außenseite der Kürette. [Quelle 1, 3]

Merkmale der Universalkürette

Neigung der Fazialfläche

Steht die Fazialfläche senkrecht zum terminalen Schaft (90°-Winkel), liegt eine Universalkürette vor. Hierbei werden beide Schneidkanten, inkl. halbkreisförmiger Instrumentenspitze, geschärft. [Quelle 1, 3, 4]

Schneidkantenform

Die Beurteilung der Schneidkantenlänge gibt den nächsten Hinweis auf eine Universalkürette. Sind beide Seiten der Fazialflächen gleich lang und verlaufen parallel, so handelt es sich um eine Universalkürette. [Quelle 1, 3, 4]

Magnetstäbchen zur Überprüfung der Neigung

Neben der optischen Beurteilung der Fazialflächenneigung kann auch ein Magnetstäbchen oder ein feiner Magnetstreifen auf die Fazialfläche der Kürette gelegt und somit die Neigung bestimmt werden. Das Instrument ist hierbei so zu halten, dass der terminale Schaft senkrecht steht, die Blickrichtung ist zur Kürettenspitze:

Blickrichtung beim Magnetstäbchen-Test zur Unterscheidung von Universalküretten und Gracey-Küretten: senkrecht vs. geneigte Fazialfläche.

Blickrichtung auf die Kürettenspitze

Magnetstäbchen-Test an der Universalkürette – senkrechtes Magnetstäbchen auf der Fazialfläche bei senkrecht gehaltenem terminalem Schaft

Universalkürette (90°)

links ohne, rechts mit Magnetstäbchen

Magentstäbchen-Test an einer Gracey-Kürette: das Magnetstäbchen liegt im ca. 70°-Winkel zum terminalen Schaft

Gracey-Kürette (ca. 70°)

links ohne, rechts mit Magnetstäbchen

Methode 3: Herstellerangaben auf dem Dentalinstrument

Wenn optischer Vergleich und Magnetstäbchen-Test zu keinem klaren Ergebnis führen, ist es hilfreich, die Angaben auf dem Instrument genauer zu betrachten. Denn weder eine sehr kurzes Schneide (z. B. bei Mini-Five-Küretten) noch ein früherer Schärffehler können die eingravierte Bezeichnung verändern. [Quelle 2, 6]

Instrumentengriff: Neben dem Herstellernamen ist dort meist die Instrumentenbezeichnung eingraviert, z. B. SG15/16, M23, 204SD, TI23AS, H67/H7. Viele Bezeichnungen verraten den Typ bereits im Namen, etwa Standard-Gracey-Kürette 15/16  „SG15/16“. [Quelle 6]

Übergang Schaft/Griff: Bei manchen Instrumenten ist die Instrumentenart nicht auf dem Griff eingraviert – hier lohnt sich ein Blick auf den Instrumentenschaft, genauer gesagt auf den Übergangsbereich von Schaft zu Griff.

Warum die korrekte Unterscheidung von Kürette und Scaler wichtig ist

Das Nachschärfen von Küretten und Scalern erfolgt mit unterschiedlichen Techniken: Jeder Instrumententyp besitzt spezifische Arbeitsenden, einen eigenen Fazialwinkel und eine unterschiedliche Anzahl arbeitsfähiger Schneidkanten. Wird ein Instrument falsch bestimmt, besteht die Gefahr, dass es mit der flaschen Technik nachgeschärft wird. Dies kann erhebliche Folgen haben: Materialabtrag an der falschen Stelle, Verlust der instrumentenspezifischen Geometrie und im Extremfall die dauerhafte Beeinträchtigung der Funktionalität des Instruments. [Quelle 2, 3, 4]

Welche Merkmale bei den verschiedenen Instrumententypen zu beachten sind und welche Schneidkanten nachgeschärft werden müssen, zeigt die folgende Übersicht:

Scaler: Zwei spitz zulaufende Schneidkanten werden nachgeschärft. Die Fazialfläche liegt senkrecht zum terminalen Schaft. Beim geraden Scaler liegt die Fazialfläche eben vor, die Lateralflächen sind konvex geformt; beim Sichel-Scaler ist die Fazialfläche gewölbt und die Lateralfläche gerade. [Quelle 1, 4, 5]

Universalkürette: Die Parallel verlaufenden Schneidkanten und die halbkreisförmige Arbeitsspitze werden geschärft. Der Winkel zwischen Lateral- und Fazialfläche (Schneidwinkel) beträgt in der Regel 70-80°. [Quelle 1, 7]

Gracey-Kürette: Nur die äußere, konvexe Schneidkante und die halbkreisförmige Arbeitsspitze wird geschärft. Ihre Fazialfläche ist ca. 70° zum terminalen Schaft geneigt. Der Winkel zwischen Lateral- und Fazialfläche (Schneidwinkel) beträgt in der Regel 70-80°. [Quelle 1, 2, 7]

Die Übersicht verdeutlicht, dass die korrekte Instrumentenbestimmung eine wesentliche Voraussetzung für das fachgerechte Nachschärfen ist. Nur durch die Anwendung der jeweils geeigneten Schärftechnik lässt sich die ursprüngliche Instrumentengeometrie erhalten und somit die Voraussetzung für eine präzise Anwendung und eine lange Lebensdauer des Instruments schaffen. 

Fazit

Der Unterschied zwischen Scaler und Kürette lässt sich mit drei Merkmalen sicher erkennen: 

Mit diesen drei Methoden bestimmen Sie jedes Handinstrument in wenigen Minuten. Die richtige Bestimmung von Küretten und Scalern ist die Grundlage für korrektes Schärfen. 

Sie sind sich unsicher, welche Instrumente Sie vor sich haben – oder es fehlt schlicht die Zeit zum korrekten Bestimmen und Schärfen Ihrer Parodontalinstrumente? Dann lassen Sie Ihre Instrumente gerne von mir schärfen: Mit meiner langjähriger Erfahrung schärfe ich jede Kürette und jeden Scaler fachgerecht – innerhalb weniger Tage sind Ihre Instrumente wieder scharf in Ihrer Praxis. 

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Häufige Fragen zum Unterschied zwischen Küretten und Scalern

Am zuverlässigsten an der Form der Instrumentenspitze: Der Scaler läuft spitz zu, das ende der Kürette ist abgerundet [Quelle 1, 2]. 

Bei Zweifeln – etwa nach früheren Schärffehler – helfen die Herstellerangaben auf dem Instrument weiter. [Quelle 1, 2]

Die Fazialfläche der Universalkürette steht im 90°-Winkel zum terminalen Schaft, und beide parallelen Schneidkanten und Arbeisspitze sind arbeitsfähig. Bei der Gracey-Kürette ist die Fazialfläche um ca. 70° geneigt; nur die äußere, konvexe Kante und Instrumentenspitze fungiert als Arbeitsschneide. (Quelle 1, 2, 3)

Weil beide eine Instrumentenarten unterschiedliche Schneidgeometrie besitzen, je nach Anwendungsgebiet: Bei der Universalkürette werden beide parallel verlaufenden Schneidkanten geschärft, bei der Gracey-Kürette nur die konvexe Außenschneide – und Ihre 70°-Neigung muss dabei erhalten bleiben, sonst geht die flächenspezifische Funktion verloren (Quelle 1, 3, 6)

Die Spitze ist das erste und wichtigste Merkmal. Aber eine zuvor falsch geschliffene Universalkürette kann spitze Merkmale aufweisen. Deshalb bei ist bei Unsicherheit zusätzlich Methode 2 und 3 anzuwenden.

Quellen

  1. Die Praxis der professionellen Zahnreinigung & Ultraschall-Scaling, ISBN 3-13-131282-3

  2. Hu-Friedy: The Anatomy of a Dental Instrument – Scalers and Curettes (K1 Reference, HF-120) – spitz zulaufende Spitze als Klassifizierungsmerkmal des Sickle-Scalers – Link

  3. American Eagle Instruments: Instrument Guide – Information on Periodontal Instruments – Aufbau und Geometrie von Scalern, Universal- und Gracey-Curettes (70°-Fazialfläche, konvexe Arbeitsschneide, 90°-Winkel und zwei Kanten bei der Universalkürette), Schleifen – Link

  4. Quintessence Publishing Deutschland: Instrumentierung in der Zahnarztpraxis – Universalküretten 90°-Arbeitswinkel, Gracey-Küretten ca. 70° und nur eine Schneidekante – Link

  5. LM-Dental: Periodontal instrument characteristics – Sickle-Scaler supragingival, Anstellwinkel 70–80° – Link

  6. Hu-Friedy, Friends of Hu-Friedy: Gracey Curettes – Nummernsystem, After Five/Mini Five – Link
  7. Eigene Serviceseiten instrumenteschaerfen.de: Küretten schärfen lassen (Schneidwinkel Lateral–Fazialfläche 70–80°, Folgen bei Abweichung) und Scaler schärfen lassen (Flächengeometrie gerader Scaler und Sichel-Scaler) – intern verlinkt, daher keine externe Quellenangabe nötig.